rituals for boredom

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Ingrid S. Hofer
Langeweile. Lange verweilen. Für eine lange Weile. Wie der Ruf aus dem Nichts. Dem Nichts, in dem wir nachdem wir alle Angst abgelegt haben tiefe Zufriedenheit finden.

Keine Reize. Einfach loslassen. Sich einfach gehen lassen, und die Ruhe in ihrer vollen Kraft auskosten. Hier können wir sein wie wir gerade in diesem Moment sind, ohne in eine unserer alltäglichen Rollen im Außen zu schlüpfen.

Warum haben wir angefangen diese Ruhe in der Langeweile als beängstigend zu empfinden? Wir suchen ständig nach Ablenkung, dabei ruht im simplen Nichtstun die essentielle Kraft für all unser Schaffen.

Eine neue, erfüllende Form der Langeweile zu finden ist der Anstoß, den das Projekt ‘rituals for boredom’ der beiden DesignerInnen Sarah-Linda Forrer und Nadja Zernunian schenkt.

The fear of boredom and unproductivity drives
us to grab our phone, tablet or tv as soon as
there is a tiny moment of simple nothingness.
rituals for boredom | Sarah-Linda Forrer & Nadja Zernunian

Unsere moderne Lebensweise, die sich stark von Sozialen Medien, Smartphone und Bildschirmen jeder Art abhängig gemacht hat, lassen uns zu oft vergessen, die erdenden Momente in einfachen, analogen Handlungen zu suchen.

Die sieben Rituale der beiden Designerinnen sorgen für einzigartige Momente in meditativer Achtsamkeit durch kunstvoll konzipierte und in handwerklicher Finesse ausgearbeitete Aufgaben. Der Einsatz von Material, Form und Farbe ist reduziert und lässt uns auf das Wesentliche fokussieren – uns und unsere Gedanken in dieser Langeweile zu verlieren.

Materie, die uns erfüllt

Diese klaren, glatten, kühlen, reinen und haptisch zurückhaltenden Materialien sowie Farben schaffen eine sinnliche Eleganz. Sie (ver)führen uns in einen zufriedenen Zustand der Abgrenzung und des tiefen Innehaltens.

Gegenstände, die uns innerlich erfreuen und Momente der Vollkommenheit schenken, nehmen besonders heute wieder eine bedeutendere Rolle für uns ein. Weg von überbordenden Konsum gedacht, ist diese Art der Identifikation mit materiellen Dingen etwas Sinnvolles. So finden wir in der Interaktion Gedankenleere statt Überreizung, und stärken unsere innere Struktur.

Es ist auch eine sanfte Erinnerung an uns, uns in unseren Räumen mit dem zu umgeben, was unser Leben wirklich reicher macht. Gegenstände, die uns zu Ritualen wie diesen anregen, geben uns eine nachhaltige Form innerer Sicherheit. Sie sind ein Anker für unsere Seele, um Ruhe, Halt, und neue Orientierung in uns zu finden. Diese simplen, meditativen Handlungen und Abfolgen können uns in jedem Moment begreifen lassen, was unsere innersten Bedürfnisse sind.

So wie wir bei den sieben Ritualen mit dem Gravierwerkzeug schleifen ziehen, Perlen sortieren oder auch Steine arrangieren, schaffen wir ohne uns dabei zu schaffen. Wir eröffnen wertvollen Raum in uns für Neues. Es gibt uns eine Ordnung zurück. Und wenn es in Ordnung ist, sind auch wir in Ordnung und können uns weiter unserem Schaffen widmen und dabei auf den Fluss des Lebens vertrauen.

 

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rituals for boredom

 

 

 

 

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Fotocredits: © Sarah-Linda Forrer & Nadja Zernunian | photography by Mark Glassner